KONZERTE
GLANZLICHTER, SOLISTEN
UND REZENSIONEN

Ab dem Sommersemester 2013 finden Sie hier Hintergrundinformationen und Pressestimmen
zu den Konzerten des Essener Studenten Orchesters.

 

SOMMERSEMESTER 2013

 

Romantisch-schwermütige Kunst ohne Kitsch

von Ursula Decker-Bönniger

Musik bewegt, Musik macht froh, Musik verzaubert. Und manchmal springt dieser Zauber über, zieht auch die Zuhörer in seinen Bann. Und das, obwohl der Rudolf-Steiner-Saal der Waldorfschule in Essen nur spärlich gefüllt blieb und das Programm des Semesterabschlusskonzertes des ESO nur wenig sommerliche Leichtigkeit versprach.

Eröffnet wurde der Abend mit Jean Sibelius' Pelléas et Melisande, die der Komponist 1921 aus der 1905 uraufgeführten Schauspielmusik zur schwedischsprachigen Erstaufführung des Maeterlinck-Dramas in Helsinki als Konzertsuite bearbeitete.
In neun, überwiegend kurzen Stimmungsbildern wird uns die tragische Liebe von Pelléas und Mélisande vor Augen geführt. Und unter der Leitung des jungen Dirigenten Johannes Witt entstanden präzise ausgeleuchtete, romantisch geheimnisvoll lastende Spannungen, tauchten die Holzbläser in gespenstisch fahle, melancholisch schlanke Kantilenen ein. Geradezu professionell war der wunderbar dynamisch gestaltete, spannungsvolle Streicherteppich, der sich vor allem in den Ecksätzen tief und breit, weich federnd und homogen darbot.

Ähnlich russisch-schwermütig, folgte nach der Pause das 1921 bearbeitete Adagio con variazioni für Violoncello und Orchester von Ottorino Respighi. Mit leicht angezogenem Ausgangstempo und zart vibrierendem, singenden Cellogesang machte Solistin Anja Rapp, seit 2007 Mitglied der Essener Philharmoniker, gleich beim Themenvortrag deutlich, dass man diesen „Grenzgänger zwischen Kunst und Kitsch“ auch ohne Portamenti, allzu überbordenden, triefenden Schmalz und Tempoverzögerungen interpretieren kann. Es gelang ihr mit virtuosem, ausdrucksvollem Spiel und dramatischer Phrasierung den Charakter der jeweiligen Variation hervorzuheben.

Abschließend erklang die Arlésienne-Suite Nr. 2, eine von Ernest Giraud nach Bizets Tod bearbeitete Fassung der Arlésienne Nr. 1. Bizet komponierte die Erstfassung zu Daudets Schauspiel 1872. Aus den ursprünglich 27 Nummern, in denen die Tragödie des jungen, an der Untreue seiner Geliebten aus Arles leidenden Bauern erzählt wird, stellte Giraud eine Suite aus vier, sehr unterschiedliche Sätze zusammen, wobei das Menuett der Bizet-Oper La jolie fille de Perth entnommen ist. Trotz kleiner Intonationsprobleme bei den Holzbläsern - das ESO und Johannes Witt meisterten souverän die schwierigen Stellen, ließen die spanischen, französischen Tanzrhythmen aufblitzen und die Farandole in einer effektvoll gestalteten Schlusssteigerung ausklingen.

Zwei Zugaben gab es: Zunächst Sibelius' Valse triste, bei dem die Streicher noch einmal all ihre ausdrucksstarke Gestaltungskunst aufboten und als Rausschmeißer eine schmissige Wiederholung der Farandole von Bizet.

SOLISTIN:
Anja Sophia Rapp • Violoncello

Die gebürtige Stuttgarterin begann ihr Studium an der Universität der Künste Berlin bei Prof. Nyikos. Nach einem Auslandsaufenthalt in Prag mit Unterricht bei Prof. Apolin beendete sie ihre Ausbildung an der Hochschule für Musik Saarbrücken bei Prof. Rivinius „mit Auszeichnung“. Zahlreiche Meisterkurse u.a. bei Prof. Boettcher, Prof. Ostertag und Prof. Kakuska rundeten ihren musikalischen Werdegang ab. Sie war Mitglied des European Union Youth Orchestra und spielt regelmäßig in Spitzenorchestern wie dem Konzerthaus-Orchester Berlin, der Deutschen Radio Philharmonie Saarbrücken Kaiserslautern und den Bamberger Symphonikern. Seit Januar 2007 ist sie Mitglied der Essener Philharmoniker.

 
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